Die Guttenberg Affäre
Von HUBERTUS (Doktorand)
A. Einleitung
Vor einigen Tagen bin ich darum gebeten worden, meine Meinung zum Thema "Herr zu Guttenberg und seine Dissertation" zu Papier zu bringen. Der Text spiegelt meine subjektive Meinung wieder, erhebt keinesfalls den Anspruch auf chronologische Korrektheit und ist ausschließlich als persönlicher Kommentar zu verstehen. Da ich mir dachte, dass es eigentlich gar nicht schaden könnte, den bereits etwa 5.000 Kommentaren (so meine persönliche Einschätzung) einen Weiteren anzuhängen - denn wie lautete doch das Motto unserer Spezies, als wir noch tapfere Jäger und brave Sammler waren: "Je mehr, desto besser" - kam ich dieser Bitte gerne nach. Ich dachte mir zudem, dass es vielleicht einfach wäre, die Begebenheiten nach dem Muster der sechs allseits beliebten und bekannten W-Fragen (wer, was, wann, wieso, weshalb, warum) Revue passieren zu lassen (Anmerkung: Da ich nicht weiß, ob die sechs W-Fragen eine uralte teutonische Redensart sind, oder erst durch eine bekannte Kindersendung Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben, möchte ich aus quellennachweislichen Gründen höflich darauf verweisen, dass diese Fragen ebenfalls Bestandteil der Kindersendung "Sesamstrasse" sind, wobei ich jedoch zeitgleich inständig hoffe, dass Niemand im Augenblick ein Kopier, bzw. Urheberrecht diese Fragen betreffend geltend macht). Doch wenden wir uns nunmehr dem eigentlichen Text zu:
B. Die Affäre nimmt ihren Lauf
>> Wer? Bei der Frage "wer" finden wir insbesondere zwei Protagonisten vor, die einer besonderen Erwähnung bedürfen. Zum einen hätten wir da einen Bremer Rechtsgelehrten, der eines Tages darum gebeten worden war, eine Rezension zu einem im Jahre 2009 erschienenen Buch aus dem Sachgebiet "Juristerei" zu verfassen. Das Buch trug den Titel "Verfassung und Verfassungsvertrag: Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und Europa" und stammte aus der Feder des zweiten Protagonisten, des Herrn Karl-Theodor zu Guttenberg aus dem schönen Frankenlande. >> Was? Bei der Untersuchung des ihm vorgelegten Bandes fiel dem Bremer Wissenschaftler, Herrn Professor Fischer-Lescano, unerwarteter Weise auf, dass der Autor des ihm vorgelegten Werkes zum Teil durchaus „großzügig" mit der ihm als Wissenschaftler auferlegten Pflicht umgeht, fremde Textpassagen, Gedanken, Einschätzungen und Beurteilungen als solche zu kennzeichnen. Er machte die Süddeutsche Zeitung darauf aufmerksam, dass es da vielleicht jemanden geben könnte, der unter Umständen versuchen würde, sich mit fremden Federn zu schmücken. Die SZ hätte sich vermutlich nicht allzu sehr mit den "Befürchtungen" des Bremer Professors beschäftigt, wenn der Autor des zu rezensierenden Buches nicht nur "einfacher" Freiherr (eigentl. sind diese Bezeichnungen hierzulande seit 1919, bzw. 1920 nichts Weiter als leere Worthülsen, da es in einer Republik schon vom Grundgedanken her prinzipiell keinen Adel geben dürfte), sondern zugleich auch Verteidigungsminister der Bildungsrepublik Deutschland gewesen wäre.
C. Die Affäre erreicht ihren Höhepunkt
>> Wann? So genau kann man das heute gar nicht mehr sagen, doch es schien, als ob innerhalb weniger Tage eine "Guttenberg-Bombe" in den deutschen Medien explodiert wäre. Der Name und das Foto des Ministers waren auf jeder Titelseite einer jeden deutschen Zeitung und zugleich auch Aufmacher einer jeden Fernsehsendung (wahrscheinlich gilt das auch für diverse "Koch- und Hausrenovierungssendungen", die mir leider aus Prinzip völlig unbekannt sind). Die Meinungen waren freilich geteilt, wie sich das ja auch in einer echten Republik so gehört. Auf der einen Seite standen das Boulevard (also praktisch alle Zeitungen und Fernsehsender) und das Volk und auf der anderen Seite befanden sich das Boulevard (also praktisch alle Zeitungen und Fernsehsender) und das Volk. Es war somit ein waschechter deutsch-deutscher Streit, ein publizistischer Bürgerkrieg sozusagen. Ach ja, das alles geschah zwischen Februar und März A.D. 2011. >> Wieso? Es ist schwer zu sagen, wieso der publizistische Bürgerkrieg begonnen hat, da auch das Volk sich nicht einig war, auf wessen Seite es sich schlussendlich schlagen sollte. Die "Pro-Guttenberger" meinten, dass es doch egal sei, ob der Herr Minister ein „Betrüger“, „Mogler“ und „Schummler“ sei, da er als Minister hervorragende Arbeit leisten würde und zudem zuweilen mit schneidigem Auftreten glänze. Außerdem sollen doch bitte schön nur diejenigen mit Steinen nach ihm werfen dürfen, die ohne Sünde seien, was in einem zum Teil christlich geprägten Land jedoch praktisch unmöglich wäre. Außerdem, und auch diese Begründung lässt Schlimmes ob des Zustandes dieser unserer Gesellschaft befürchten, würden ja eh alle Deutschen und Deutschinnen (PC ist hier absolute Pflicht!) tagtäglich Betrügen und Mogeln, bis die Steuererklärung qualmt. Das war mir bisher zwar fremd, da ich mir beispielsweise immer wirklich sehr große Mühe machte, ehrlich und redlich durchs Leben zu schlendern, aber man lernt ja nie aus, stimmt´s? Wie dem auch sei, die "Anti-Guttenberger" gaben pflichtschuldig zu bedenken, dass es in Zukunft schwer werden könnte, einer bestimmten Person, die irgendwann mal irgendwo gemogelt hat, erneut vollen Glauben schenken zu können. Dabei sei es eigentlich irrelevant, ob diese Mogelei absichtlich oder unabsichtlich geschah, es käme ausschließlich auf die Tat als solche an. >> Weshalb? Weshalb „mogelte“ Herr zu Guttenberg bei seiner Doktorarbeit (liebe Anwälte, die Frage, ob bei der „Mogelei“ Absicht dahinter steckte, oder vielleicht auch nicht, ist bis heute nicht beantwortet worden und eine derartige Absicht soll hier auch keinesfalls unterstellt werden)? Er tat dieses, weil der Doktortitel immer noch einen gewissen Status in unserer Bildungsrepublik hat und somit als etwas schönes und erstrebenswertes gilt. Der Vater des heutigen Außenministers soll diesem sogar gesagt haben, er solle undbedingt "einen Doktor machen", weil er dann jeden Quatsch erzählen könne, den er wolle, die Leute würden ihm, natürlich ausschließlich seines Titels wegen, trotzdem automatisch alles glauben.
D. Die Affäre endet
>> Warum? Warum hielten die Leute dem Minister anscheinend dennoch mehrheitlich die Treue, obwohl sie von seinen Verfehlungen wussten, die er auch selber (zumindest in Maßen) zugegeben hatte? Es sollen sich ja bis zum Schluss etwa 70% der Bundesbürger und Bundesbürgerinnen (PC!) gegen einen Rücktritt des Ministers ausgesprochen haben. Man könnte sich auch fragen, weshalb er nicht einfach entlassen worden war, doch die Kanzlerin der Bildungsrepublik stellte unmissverständlich klar, dass sie den Minister als Minister eingestellt habe und nicht als Wissenschaftlichen Mitarbeiter. Dieser Satz ist insofern interessant, als dass die Kanzlerin damit zum Ausdruck brachte, dass es ihr egal sei, ob in der Wissenschaft der Bildungsrepublik Deutschland gemogelt werde oder nicht, solange man danach ein guter Minister sei. Dies lässt all jene hoffen, die in der Vergangenheit wegen ähnlicher Vergehen zwangsweise ihrer Bildungsstätte verwiesen worden waren, da sie sich praktisch jederzeit rehabilitieren könnten - wenn sie denn nur wollten - sie müssten lediglich irgendwann mal einen bildungsrepublikanischen Ministerposten bekleiden und diese Arbeit einfach nur gut machen.
E. Epilog
>> Fazit? Tja, es ist schwierig der ganzen Angelegenheit abschließend etwas Sinnvolles hinzuzufügen, da es praktisch keinen Gedanken mehr gibt, den nicht bereits irgendein Journalist in irgendeiner qualitativ anspruchsvollen Zeitung geäußert hätte. Außerdem verfüge ich leider nicht über einen derart fortgeschrittenen Rechtschutz, als dass ich es mir erlauben könnte, hier einfach mal meine Meinung frei zu äußern. Die Debatten der Vergangenheit haben gezeigt, dass im Artikel 5 des Grundgesetzes der Bildungsrepublik Deutschland zwar die freie Meinungsäußerung vorgesehen ist, sie jedoch in vielen Fällen einfach nicht gewünscht wird, weil es manchmal einfach nicht schicklich ist, laut auszusprechen, was einem gerade so in den Sinn kommt. Wo kämen wir dann auch sonst hin!? Es soll in der Vergangenheit sogar gelegentlich Fälle gegeben haben, wo ein spontanes und undurchdachtes Äußern der eigenen Meinung sogar zu einer pekuniären Sanktionierung des Meinungsäußernden geführt hat. Aus diesem Grunde möchte ich abschließend feierlich erklären, dass ich erstens in meinem Text niemanden in seiner Ehre kränken wollte, dass ich zweitens nur geschrieben habe, von dem ich glaube, dass es wirklich stimmt, und dass ich drittens alle Aussagen sogleich und zu 100% zurücknehme, die über das hinausgehen, was mir der Art. 5 des GG großzügiger Weise zusichert. Gez.: HUBERTUS PS: Ich versichere an Eides statt, dass ich diesen Text selbst verfasst habe. Ganz ehrlich. Nur ich und sonst niemand... Zumindest soweit ich das nach bestem Wissen und Gewissen beurteilen kann...
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